Hümmelchen
Hümmelchen
Großer Bock
Großer Bock
Schäferpfeife
Schäferpfeife
Marktsackpfeife
Marktsackpfeife
Great Highland Bagpipe
Great Highland Bagpipe
Sackpfeife Der Sackpfeyffer zu Linden
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Hümmelchen
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Hümmelchen

Die hier abgebildete, wahlweise mundgeblasene oder balggeblasene Sackpfeife (= Dudelsack; "Sackpfeyffe" ist eine sehr alte Schreibweise) hat eine Spielpfeife mit zylindrischer Bohrung und Doppelrohrblatt und zwei Bordune mit zylindrischen Bohrungen und Doppelrohrblättern. Die Spielpfeife hat einen Tonumfang von c¹ d¹ e¹ – g² und ist auf a¹ = 440 Hz eingestimmt. Dieser große Tonumfang wird durch den Anbau von zwei Klappen ermöglicht. Diese Klappen sind eine Entwicklung der heutigen Zeit. Ohne Klappengriffe reicht der Tonumfang der Spielpfeife bis zum Ton e♭². Die Töne e², f² und f♯² werden mit den Klappen realisiert. Die Klappe für den Ton e² wird mit dem linken kleinen Finger bedient. Die Klappe für die Töne f² und f♯² wird mit dem 1. Glied des rechten Zeigefingers bedient. Der Ton g² wird durch Überblasen des Tons c¹ erreicht, in dem zu dem Griff für diesen Ton zusätzlich die Klappe für den Ton e² geöffnet wird. Die Bordune sind so konstruiert, dass sie auf mehrere Töne gestimmt werden können, was durch die verwendeten Doppelrohrblätter begünstigt wird. Der große Bordun kann durch Drehen der oberen Sektion auf die Töne c⁰ und d⁰ gestimmt werden, wobei für den Ton d⁰ durch die Drehung der oberen Sektion ein Stimmloch geöffnet wird. Vom Ton c⁰ ausgehend kann dieser Bordun auch auf den Ton H gestimmt werden. Der kleine Bordun kann durch Drehen der oberen Sektion auf die Töne f⁰, g⁰ und a⁰ gestimmt werden, wobei für die Töne g⁰ und a⁰ durch die Drehung der oberen Sektion jeweils ein Stimmloch geöffnet wird. Vom Ton f⁰ ausgehend kann dieser Bordun auch auf den Ton e⁰ gestimmt werden. Aus diesen Stimmmöglichkeiten für die Bordune ergeben sich 20 verschiedene Bordunstimmungen, von denen 13 musikalisch brauchbar sind:

Die übrigen möglichen Stimmungen mit beiden Bordunen sind in den allermeisten Fällen nicht brauchbar und kommen daher allenfalls für moderne Musik in Betracht.

Die Holzteile des oben abgebildeten Instruments bestehen aus Elsbeerholz. Die Zierringe am Spielpfeifenstock und am unteren Ende der Spielpfeife bestehen aus Kunststoff, alle anderen Zierringe bestehen aus Horn. Die Klappen bestehen aus Messing. Als Windsack kommt ein Lederbalg zum Einsatz. In den Windsack ist ein zusätzlicher Stock eingebunden, an den ein Blasebalg angeschlossen werden kann. Beim balggeblasenen Spiel verhindert das Rückschlagventil am Anblasrohr den Luftaustritt über das Anblasrohr. Beim mundgeblasenen Spiel ist der Stock für den Anschluss des Blasebalgs mit einem Stopfen verschlossen. In diesem Instrument kommen Kunststoffrohrblätter zum Einsatz. Anders als bei direkt angeblasenen Rohrblattinstrumenten wirkt sich das bei Sackpfeifen normalerweise nicht negativ auf den Klang aus. Die "Warmblaszeit" wird durch die Kunststoffrohrblätter angenehm verkürzt.

Hümmelchen (mit klappenloser Spielpfeife) sind typische Renaissancesackpfeifen. Sie klingen wesentlich leiser als Sackpfeifen mit konisch gebohrter Spielpfeife. Während die Spielpfeife immer mit einem Doppelrohrblatt ausgestattet ist, können die Bordune sowohl mit Doppelrohrblättern als auch mit Einfachrohrblättern ausgestattet sein. Sind auch die Bordune mit Doppelrohrblättern ausgestattet, bestehen nahezu keine klanglichen Unterschiede zwischen Spielpfeife und Bordunen, wodurch ein sehr homogener Gesamtklang erreicht wird. Der Name Hümmelchen oder auch Hummelchen bedeutet "kleine Hummel" und geht auf eine Klangkomponente dieses Instruments zurück, die an das Flügelschlaggeräusch einer Hummel erinnert. Hümmelchen mit drei oder vier Bordunen werden Dudey genannt. In der heutigen Zeit werden auch Hümmelchen mit nur einem Bordun gebaut, die vor allem als Lerninstrumente konzipiert sind. Für Hümmelchen werden neben der Sopranspielpfeife auch Spielpfeifen in den Lagen Sopranino (tiefster Ton f¹), Alt (tiefster Ton f⁰) und Tenor (tiefster Ton c⁰) gebaut.


Großer Bock
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Großer Bock

Die hier abgebildete, mundgeblasene Sackpfeife hat eine Spielpfeife mit zylindrischer Bohrung und Doppelrohrblatt und einen Bordun mit zylindrischer Bohrung und Einfachrohrblatt. An Spielpfeife und Bordun befindet sich jeweils ein Horn als Schallbecher. Die Tenorspielpfeife hat einen Tonumfang von c⁰ d⁰ – f♯¹ und ist auf a¹ = 440 Hz eingestimmt. Die Altspielpfeife hat einen Tonumfang von f⁰ g⁰ – h¹ und ist auf a¹ = 440 Hz eingestimmt. Dieser große Tonumfang wird durch den Anbau von zwei Klappen ermöglicht. Diese Klappen sind eine Entwicklung der heutigen Zeit. Ohne Klappengriffe reicht der Tonumfang der Tenorspielpfeife bis zum Ton e♭¹, der der Altspielpfeife bis zum Ton a♭¹. Die Töne e¹, f¹ und f♯¹ auf der Tenorspielpfeife sowie die Töne a¹, b¹ und h¹ auf der Altspielpfeife werden mit den Klappen realisiert, die mit linkem Zeigefinger und linkem Daumen bedient werden. Der aus mehreren Sektionen bestehende Bordun ist so konstruiert, dass er auf mehrere Töne gestimmt werden kann. Sektion 1 nimmt das Einfachrohrblatt auf und steckt im Bordunstock. Gestimmt wird immer durch Verschieben der Sektion 2. Sektion 6 bildet mit dem daran befestigen Horn das offene Ende des Borduns. Daher werden die Sektionen 1, 2 und 6 immer verwendet. Die Sektionen 3, 4 und 5 werden nach Bedarf zwischen den Sektionen 2 und 6 eingefügt. Außerdem stehen zwei unterschiedlich lange Einfachrohrblätter zur Verfügung. Nachfolgend sind die möglichen Bordunstimmungen dargestellt.

C    langes Einfachrohrblatt+ Sektionen 1+2+3+4+5+6  (wie oben abgebildet)
D    langes Einfachrohrblatt+ Sektionen 1+2+3+4+6
E    langes Einfachrohrblatt+ Sektionen 1+2+3+6
E    kurzes Einfachrohrblatt+ Sektionen 1+2+3+4+6
F    kurzes Einfachrohrblatt+ Sektionen 1+2+3+4+6
G    kurzes Einfachrohrblatt+ Sektionen 1+2+3+6
A    kurzes Einfachrohrblatt+ Sektionen 1+2+6

Die Borduntöne E und F mit kurzem Einfachrohrblatt werden durch Verschieben der Sektion 2 gestimmt. Für alle anderen Borduntöne müssen Sektionen entfernt oder eingefügt werden und ggf. das Einfachrohrblatt getauscht werden. Mit zunehmender Verkürzung der Bordunröhre wird der Bordunklang immer obertonreicher. Die Borduntöne E mit langem Einfachrohrblatt und A mit kurzem Einfachrohrblatt klingen sehr obertonreich und sind somit als Borduntöne grenzwertig. Für den Bordunton E kann auf die Alternative mit kurzem Einfachrohrblatt gewechselt werden. Für den Bordunton A gibt es keine direkte Alternative. Abhängig vom Musikstück kann statt des Borduntons A der Bordunton E mit kurzem Einfachrohrblatt verwendet werden.

Die Holzteile des oben abgebildeten Instruments bestehen aus Elsbeerholz. Die Hörner stammen vom Rind. Die Klappen bestehen aus Messing. Als Windsack kommt ein Lederbalg zum Einsatz. Der Bordun ist mit einem Kunststoffrohrblatt ausgestattet. Die beiden Spielpfeifen sind mit "Naturrohrblätter" (Rohrblatt aus dem Schilfrohr "Arundo donax") ausgestattet.

Der Begriff "Bock" bezeichnet mehrere Sackpfeifentypen, deren Gemeinsamkeit Schallbecher aus Hörnern an den Enden von Spielpfeife und Bordun(en) sind. Der Große Bock wird auch als "Praetorius-Bock" bezeichnet. Diese Bezeichnung nimmt allein darauf Bezug, dass Michael Praetorius (1571-1621) den Großen Bock in seiner "Syntagma musicum" dokumentierte. Es gibt keinerlei Hinweise dafür, das Michael Praetorius den Großen Bock konstruierte oder an dessen Entwicklung beteiligt war. Die Bezeichnung "Praetorius-Bock" wird vor allem verwendet, um das Instrument von den mittelosteuropäischen Böcken (Sorbischer Bock, Böhmischer Bock, Egerländer Bock, …) zu unterscheiden.


Schäferpfeife
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Schäferpfeife

Die hier abgebildete, mundgeblasene Sackpfeife hat eine Spielpfeife mit konischer Bohrung und Doppelrohrblatt und einen Bordun mit zylindrischer Bohrung und Einfachrohrblatt. Diese Sackpfeife klingt trotz ihrer geringen Größe recht laut. Sie entspricht in Physik und Klang einer Schäferpfeife, ist jedoch im Gegensatz zu den meisten Schäferpfeifen äußerlich schlicht gehalten. Damit kommt sie einer mittelalterlichen Sackpfeife sehr nahe. Die Spielpfeife hat einen Tonumfang von c² d² – e♭³ und ist auf a¹ = 440 Hz eingestimmt. Der Bordun klingt auf dem Ton d⁰ und kann bei Bedarf auf den Ton c⁰ umgestimmt werden. Dieses Instrument eignet sich auch sehr gut für "schräge" Musik. Durch mehr oder weniger starkes Erhöhen des Blasdrucks lassen sich einige Töne im Überblasbereich (g³, a³ und h³ sogar einigermaßen stabil), diverse Quietschtöne und einige absichtlich unsauber klingende Töne erzeugen.

Die Holzteile des oben abgebildeten Instruments bestehen aus Elsbeerholz. Als Windsack kommt ein Lederbalg zum Einsatz. In diesem Instrument kommen Kunststoffrohrblätter zum Einsatz.

Zwei Klangbeispiele (ein antikes Stück und ein modernes Stück) stehen zum Download bereit: 
Antike ("Hymne an die Muse", Mesomedes von Kreta, ~130): kleine_Sackpfeife_Antike.ogg
Moderne ("Improvisation", eigenes Werk): kleine_Sackpfeife_modern.ogg 


Marktsackpfeife
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Marktsackpfeife

Die hier abgebildete, mundgeblasene Sackpfeife hat eine Spielpfeife mit konischer Bohrung und Doppelrohrblatt und zwei Bordune mit zylindrischen Bohrungen und Einfachrohrblättern. Diese Sackpfeife klingt sehr laut. Die Spielpfeife hat einen Tonumfang von f♯¹ – h² und ist auf a¹ = 440 Hz eingestimmt. Diese Erweiterung des Tonumfangs gegenüber der Standardspielpfeife für die Marktsackpfeife mit ihrem Tonumfang von g¹ a¹ h¹ – a² wird durch mehrere Elemente erreicht. Für den Ton f♯¹ ist eine Klappe vorhanden, die mit dem linken kleinen Finger bedient wird. Für den Ton h² ist eine Klappe vorhanden, die mit dem linken Zeigefinger bedient wird. Für die Töne g¹/g♯¹ und a¹/b¹ sind Doppellöcher vorhanden. Für den Ton c♯² ist ein zweites Daumenloch vorhanden. Diese Lösung intoniert sauberer als der Gabelgriff für den Ton c♯². Der große Bordun klingt auf dem Ton A, der kleine Bordun auf dem Ton e⁰. Bedingt durch die nicht umstimmbaren Bordune kann sinnvoll nur in Tonarten/Modi auf den Grundtönen a, d und e gespielt werden. Durch die volle Chromatik der Spielpfiefe sind jedoch alle Tonarten/Modi auf den Grundtönen a, d und e zugänglich. Bei Tonarten/Modi auf dem Grundton a klingen entweder beide Bordune oder nur der große Bordun mit, wobei der große Bordun auf dem Grundton und der kleine Bordun auf der Quinte zum Grundton klingt. Die Verwendung nur des kleinen Borduns, der zum Grundton a auf der Quinte klingt, ist unüblich, aber möglich. Bei Tonarten/Modi auf dem Grundton d klingen entweder beide Bordune oder nur der große Bordun mit, wobei der große Bordun auf der Quninte zum Grundton und der kleine Bordun auf der großen None zum Grundton klingt. Diese recht spezielle Klangfarbe vertragen nicht alle Stücke. Dann wird der kleine Bordun durch Einführen des Stopfens in dessen Schallbecher stumm geschaltet und nur der große Bordun klingt mit. Bei Tonarten/Modi auf dem Grundton e klingt nur der kleine Bordun mit, der dann auf dem Grundton klingt. Daher verfügt das oben abgebildete Instrument an beiden Bordunen über Stopfen zum Stummschalten. Die Tonarten/Modi auf dem Grundton e erschließen sich erst durch die im Tonumfang nach oben erweiterte Spielpfeife, da ohne diese Erweiterung für die meisten Stücke oben ein Ton fehlt.

Die Spielpfeifenröhre des oben abgebildeten Instruments besteht aus Grenadillholz, alle übrigen Holzteile aus gebeiztem und geöltem Ahornholz. Der Schallbecher der Spielpfeife wurde passend zur Farbe der Spielpfeifenröhre sehr dunkel gebeizt. Die Klappen bestehen aus Messing. Als Windsack dient ein Lederbalg. In diesem Instrument kommen Kunststoffrohrblätter zum Einsatz.


Great Highland Bagpipe
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Great Highland Bagpipe

Die hier abgebildete, mundgeblasene Sackpfeife, die "Great Highland Bagpipe" (Piob mhor, Cornemuse écossaise, Biniou braz) hat eine Spielpfeife mit konischer Bohrung und Doppelrohrblatt und drei Bordune mit zylindrischen Bohrungen und Einfachrohrblättern. Die Spielpfeife (Chanter) hat einen Tonumfang von g¹ a¹ – a². Die absolute Stimmung liegt ca. +120 Cent über dem Kammerton, also ca. bei a¹ = 472 Hz. Der große Bordun (bass drone) klingt auf dem Ton A, die beiden kleinen Bordune (tenor drones) auf dem Ton a⁰. Diese Bordunkonfiguration ist eines der markantesten und eigenartigsten Merkmale dieses Sackpfeifentyps, denn normalerweise haben Sackpfeifen für jeden Bordunton auch nur einen Bordun. Zu dieser Sackpfeife gehört eine Austauschspielpfeife, die den gleichen Tonumfang wie die zuerst erwähnte Spielfpeife hat. Diese Austauschspielpfeife liegt jedoch nur einen Halbton, also ca. +100 Cent über dem Kammerton, also ca. bei a¹ = 466 Hz. Dies entspricht bei gleichschwebend temperierter Normalstimmung dem Ton b¹. Bei beiden Spielpfeifen sind die (notierten) Töne b¹, d♯² und g♯² nur bedingt brauchbar. Dies liegt jedoch weniger an den Tönen selbst als vielmehr daran, dass sie besonders scharfe Dissonanzen (kleine Sekunde, Tritonus, große Septime; jeweils plus eine Oktave) mit den Tönen der beiden "tenor drones" bilden, was sich mit dem Klangcharakter dieses extrem lauten Sackpfeifentyps nicht so gut verträgt.

Die Holzteile des oben abgebildeten Instruments bestehen aus Grenadillholz (blackwood). Die beiden Spielpfeifen bestehen aus einem Spezialkunststoff (polypenco®). Die weißen Verzierungsteile bestehen aus Kunstelfenbein (synthetischer Elfenbeinersatz, imitation ivory, art ivory). Die Stimmzüge der Bordune sind mit Nickel beschlagen. Als Windsack kommt ein Rindslederbalg zum Einsatz. Die Bordune sind mit Kunststoffrohrblättern ausgestattet. Beide Spielpfeifen sind mit einem "Naturrohrblatt" (Rohrblatt aus dem Schilfrohr "Arundo donax") ausgestattet.

Im Laufe der Zeit ist die absolute Stimmung der Great Highland Bagpipe (GHB) immer höher geworden, was sich auch daran erkennen lässt, dass die Musik für dieses Instrument traditionell immer noch in a notiert wird. Insbesondere im Bereich der militärisch beeinflussten Musik werden auf der GHB nur neun Töne verwendet, die eine mixolydische Skala bezogen auf die Borduntöne als Grundton ergeben, und es gibt nach wie vor viele Musiker, die meinen, dass dies ein Teil der Tradition der GHB sei und daher auf diesem Instrument auch keine anderen Töne zu spielen seien. Für diese neun Töne gibt es spezielle Bezeichnungen, die entsprechend mittlerweile auch für die zusätzlichen Töne eingeführt wurden. Sie können der nebenstehenden Tabelle entnommen werden. Die zusätzlichen Töne sind grau unterlegt. Die Beschränkung auf diese neun Töne schlägt sich auch in der Notation der "traditionellen" Literatur nieder. Da diese Stücke immer mit zwei Kreuzen zu notieren wären, lässt man diese Vorzeichen meist einfach weg. Wehe dem, der solche Noten in die Hand bekommt und von dieser Unsitte nichts weiß. Im Bereich der militärisch beeinflussten Musik (Pipes & Drums, Pipeband) mag die Beschränkung auf diese neun Töne in gewisser Weise sinnvoll sein, da die zusätzlichen Töne nicht mit jeder Spielpfeifen-Rohrblatt-Kombination brauchbar hevorgebracht werden können und diese Töne nicht immer 100%-ig stabil sind. In den meisten anderen Fällen ist die Beschränkung auf diese neun Töne nicht sinnvoll! Unter anderem in der bretonischen Musik werden gezielt GHBs eingesetzt, auf denen zumindest die kleine Terz (C natural) und die kleine Sexte (F natural) als zusätzliche Töne spielbar sind. Der einzige Nachteil, so man es denn überhaupt als Nachteil empfindet, dieser mehr oder weniger chromatisch spielbaren Spielpfeifen besteht darin, dass einige der "traditionellen" Verzierungen (Grace Notes) nicht spielbar sind. Dafür ergeben sich natürlich andere Verzierungsmöglichkeiten.
 
Ton   Bezeichnung
auf der GHB
low G
low A
B flat
B
C natural
c♯²C
D
d♯²D sharp
E
F natural
f♯²F
high G
g♯²high G sharp
hig  A

Sackpfeifen (= Dudelsäcke) sind seit der Antike bekannt. Instrumente ähnlich der auf dieser Seite abgebildeten Schäferpfeife sind in Europa seit dem späteren Mittelalter bekannt. Wie die allermeisten europäischen Musikinstrumente gehen sie auf Vorbilder aus dem Orient zurück, die durch die Mauren in Südspanien sowie durch Kreuzritter, Pilgerfahrer und Händler nach Europa gekommen sind.

Die Spielpfeife kommt in vier Bauweisen vor:

Einige Sackpfeifen mit zylindrischer Spielpfeife haben an derem unteren Ende ein Tierhorn (von Kuh oder Ziege) als Schallbecher, z.B. alle Böcke, Gaide, Zukra. Einige Sackpfeifen besitzen zwei Spielpfeifen. Häufig ist dies bei bordunlosen orientalischen Sackpfeifen anzutreffen, z.B. Zukra, Tulum. Auf diesen Instumenten wird normalerweise einstimmig gespielt. Da die Spielpfeifen im Prinzip wie ein Mijwiz aufgebaut sind, ist auch ein zweistimmiges Spiel möglich. Die europäischen Sackpfeifen mit zwei Spielpfeifen werden normalerweise zweistimmig gespielt. Die Spielpfeife hat meist den Tonumfang einer None, wobei die Möglichkeiten leiterfremde Töne zu spielen von Instrument zu Instrument sehr unterschiedlich sind. Von diatonisch bis vollchromatisch kommen alle Varianten vor. Bei Instrumenten mit zwei Spielpfeifen hat jede Spielpfeife normalerweise nur den Tonumfang einer Sexte. Bei einigen Spielpfeifen wird der Tonumfang durch Überblasen (z.B. Schäferpfeife) oder Einsatz einer Klappenmechanik (z.B. moderne Uilleann Pipe) anstelle der Grifflöcher auf bis zu zwei Oktaven erweitert.
Die Zahl der Bordune liegt zwischen 0 und 6, wobei meist ein bis drei Bordune vorhanden sind. Die Bordune haben normalerweise zylindrische Bohrungen und Einfachrohrblätter. Doppelrohrblätter kommen aber auch vor, z.B. Hümmelchen, Dudey. Bei laut klingenden Sackpfeifen befinden sich an den Enden der Bordune oft Schallbecher. Ist die Spielpfeife mit einem Tierhorn als Schallbecher versehen, so ist dies meist auch bei den Bordunen der Fall.
Die Luft wird entweder mit dem Mund durch ein Anblasrohr ("mundgeblasen") oder mit einem Blasebalg durch einen Schlauch ("balggeblasen") in den Windsack geblasen und durch ein Rückschlagventil am Zurückströmen gehindert. Der konstante Blasdruck für die Pfeifen wird mit dem Arm erzeugt, unter den der Windsack geklemmt wird.
Spielpfeife(n) und Bordun(e) werden normalerweise aus Holz gefertigt. Die Spielpfeifen und Bordune antiker und orientalischer Dudelsäcke können aber auch aus Pflanzenhohlstängeln (meist Bambus) gefertigt sein. In der heutigen Zeit werden auch Spielpfeifen, vor allem für die Great Highland Bagpipe, aus speziellen Kunststoffen gefertigt. Der Windsack wird normalerweise aus Leder gefertigt. Manchmal verbleiben auch die Haare am Fell, z.B. Gaide. In der heutigen Zeit werden Windsäcke auch aus speziellen Synthetikgeweben gefertigt. Gummi als Material für den Windsack mundgeblasener Sackpfeifen ist völlig ungeeignet, da die eingeblasene Feuchtigkeit nicht hinreichend abgeführt werden kann!

Die Sackpfeife hat im Laufe der Zeit einige "Kosenamen" erhalten. "Jammertüte" und "Quietschbeutel" beziehen sich nicht auf einen bestimmten Sackpfeifentyp. Die auf Mittelaltermärkten häufig anzutreffende Marktsackpfeife wird auch als "Osthupe", "A-Schwein" oder "Machosack" bezeichnet. "Osthupe" bezieht sich darauf, dass diese Instrumente in der ehemaligen DDR (re?)konstruiert wurden. In diesem Zusammenhang hält sich auch das nicht ganz unbegründete Gerücht, dass diese Instrumente nicht auf eine mittelalterliche Sackpfeife zurück gehen, sondern aus der Great Highland Bagpipe entwickelt wurden. "A-Schwein" bezieht sich auf die Grundtonart der Spielpfeife A-dorisch, die vor allem beim Zusammenspiel mit Renaissanceinstrumenten in c/f-Stimmung Probleme bereiten kann. Alternativ wird die Bezeichnung "A-Schwein" auch mit der mangelnden mittelalterlichen "Authentizität" (Szene-Jargon: "A-Wort") der Marktsackpfeife erklärt. "Machosack" bedarf wohl keiner weiteren Erklärung ;-)



Schalmei
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letzte Aktualisierung: 25.10.2015